Elias Canetti: Die Blendung (Hörspiel in 12 Teilen)

Veröffentlicht am: Oktober 11, 2013 | Keine Kommentare

Wenn man “Hörspiel in 12 Teilen” liest, denkt man natürlich gleich an Klaus Buhlert. Der ist schließlich im deutschen Rundfunk für derartige Großprojekte zuständig. Wir haben in diesem Blog bereits mehrfach über Buhlerts Hörspiele berichtet, etwa über Buhlerts Ulysses, über seine Fassung von Kafkas Prozess oder über sein Don Quijote-Hörspiel. Und auch in diesem Fall, Elias Canettis Roman Die Blendung, den er 1931/32 in Wien schrieb – auch hier führte Klaus Buhlert wieder einmal Regie. Und natürlich spricht bei einem Buhlert-Hörspiel wie immer ausschließlich die Crème de la Crème der deutschen Schauspieler mit. Das Hörspiel läuft aktuell im Hörspielsender des Bayrischen Rundfunks: BR2.

Die Blendung ist Canettis (1905-94) einziger Roman. Ferner hatte er Dramen geschrieben, Aufsätze, Essays, Reiseberichte, literaturkritische Schriften, sowie besonders die soziologische Studie Masse und Macht (1960).  Trotz dieses nicht ausschließlich literarischen Schaffens, gewann Canetti im Jahr 1981 den Literatur-Nobelpreis für, so die Begründung der Schwedischen Akademie, “sein schriftstellerisches Werk, geprägt von Weitblick, Ideenreichtum und künstlerischer Kraft.”

Der Roman erzählt die Lebensgeschichte von Peter Kien, einem Intellektuellen und Sinologen, und von seinem langsamen Abgleiten in den Wahnsinn. Denn Kien nimmt schon seit langer Zeit nicht mehr teil am gesellschaftlichen Leben. Stattdessen lebt er zurückgezogen in seiner riesigen Privatbibliothek (der “Bücherfestung”). Er ist, so lautet der Titel des ersten Teils von Die Blendung, ein “Kopf ohne Welt”. Dennoch kommt es zu einer Eheschließung mit seiner Haushälterin Therese Krumbholz. Die Ehe verläuft, wenig überraschend, nicht glücklich (v.a. weil Therese sich sehr bald in einen Verkäufer, Herrn Grob, verliebt) und artet allmählich zum Kampf aus, den Kien verliert. Er muss seine Wohnung (und seine Bibliothek) verlassen und landet auf der Straße, in der “Kopflosen Welt”. Dort lernt er in der Bar Zum idealen Himmel den Schach-Enthusiasten Fischerle (Siegfried Fischer) kennen, der Kien jedoch ebenfalls nur ausnutzt, um an dessen Geld zu kommen. Während Kien also sein Vermögen an Fischerle und dessen Ganovenbande verliert, fängt seine Ehefrau Therese, gelangweilt vom Leben, eine Affäre mit Benedikt Pfaff an, einem brutalen Schläger. Sie beschließen, um an Geld zu kommen, Kiens Bibliothek zu verkaufen. Als sie die Bücher rausschaffen, treffen sie zufällig auf Kien selbst, der glaubt, dass Therese längst tot sei (so hatte es ihm Fischerle erzählt). Es kommt zu Handgreiflichkeiten, bis die Polizei eintrifft. Beim Verhör wird langsam aber sicher deutlich, dass Kien wahnsinnig geworden ist. Er gesteht den Mord an Therese (die doch lebendig neben ihm steht) und auch das Auftreten von Kiens Bruder Georg kann die Situation nicht mehr retten. Er ist endgültig dem Wahnsinn verfallen und bringt sich am Ende selber um, in dem er sich und seine Bibliothek in Flammen steckt. So endet Canettis deprimierender Roman, den er als Teil einer “Comédie Humaine an Irren” bezeichnet hatte, damit auf Balzacs Romanwerk verweisend.

Wie gesagt ist das Hörspiel Die Blendung erstklassig besetzt: Manfred Zapatka als Erzähler, Samuel Finzi als Peter Kien, Birgit Minichmayr als Therese Krumbholz, Simon Morzé als Franz Metzger, Wolfram Berger als Herr Grob, Thomas Reisinger als Herr Groß, Wolf Bachofner als Hausbesorger Pfaff, Johanna König als Stubenmädchen und Brigitte Neumeister und Gottfried Breitfuß als Herr und Frau Fischerle. Ferner sprechen mit in weiteren Rollen: Wolfgang Böck, Toni Slama, Florian Teichtmeister, Helmut Bohatsch, Eva Mayer, Hanno Pöschl, Ulli Maier, Stefano Bernardin, Gerald Votava, Johannes Silberschneider, Michou Friesz, Karl Markovics, Branko Samarovski, Thomas Kamper, Gerti Drassl und Brigitte Kren.

Es ist übrigens nicht die erste Hörspielbearbeitung von Canettis Die Blendung. Vor rund 10 Jahren erschien bereits ein Hörspiel zum Roman unter der Regie des kürzlich verstorbenen Österreichers Robert Matejka. Das Hörspiel wurde damals mit dem Preis “Hörspiel des Monats” der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ausgezeichnet. Besonders begeistert war die Akademie damals von der Reduzierung auf Sprache: “Robert Matejka verzichtet auf jegliche Geräuschkulisse und lässt die Figuren gleichsam im luftleeren Raum agieren.” (Quelle dradio.de). Das Metejka-Hörspiel liegt auf 3 CDs vor und kann daher direkt mit der Buhlert-Fassung verglichen werden.

Die Gemeinschaftsproduktion von BR und ORF läuft ab sofort bis Weihnachten immer Sonntags um 15:00 Uhr auf BR2.


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