Sound Library for free (1/2): Mobile Aufnahmegeräte

Veröffentlicht am: Mai 11, 2010 | 2 Kommentare

In der neuen Reihe “Eigene Hörspiele aufnehmen” stellen wir in den kommenden Tagen und Wochen Informationen zusammen, die nötig sind, um ein eigenes Hörspiel aufzunehmen. Theoretisch ist, was man braucht, recht klar: Mikro, Sprecher, Schnittprogramm und fertig. Aber in Wirklichkeit ist es (wie so oft im Leben) nicht ganz so einfach. Ein Problem, das viele Hörspielmacher immer wieder vor große Hindernisse stellt ist die Frage, woher man eine vernünftige Soundlibrary bekommen kann. Denn: kein echtes Horror-Hörspiel ohne den filmreifen Splatter-Sound, kein Krimi im viktorianischen England ohne den Sound von Pferdekutschen und Kieswegen, kein Fantasyhörspiel ohne das Klirren von Schwertern und das Marschieren von Armeen… aber: woher nimmt man diese Soundlibrary? Wir stellen im ersten Teil der dreiteiligen Reihe „Eigene Hörspiele aufnehmen“ einige Tricks vor, wie man einfach und kostenlos an eine umfangreiche Soundlibrary gelangt. Im ersten Teil dieses zweiteiligen Artikels fangen wir vorne an: beim Produzieren und Aufnehmen eigener Sounds.

Was man nicht umsonst bekommt, macht man einfach selber…

Eine echte Alternative zu teuren kommerziellen Soundlibraries ist das Aufnehmen eigener Sounds. Die meisten Sounds, die man bei der täglichen Produktionsarbeit benötigt hat, sind Alltags-Sounds, die man logischerweise in unmittelbarer Griffweite hat: das abfahrende Auto, die tickende Uhr, das klingelnde Telefon, die läutende Türglocke, der pfeiffende Wasserkessel, der tropfende Wasserhahn, die miauende Katze… fast alle Geräusche, die man irgendwie immer braucht, kann man einfach aufnehmen, ohne sich dafür großartig aus seiner eigenen Wohnung rausbewegen zu müssen. Doch: wie nimmt man das Auto auf der Straße auf, wenn das Mikrofon am Computer im Arbeitszimmer angeschlossen ist?

Technische Ausrüstung: mobile Aufnahmegeräte

Mit dem Mikrofon Sounds selbst aufnehmen (Quelle: visual.dichotomy via flickr.com)*

Die Lösung für mobile Aufnahme ist: ein mobiles Aufnahmegerät. Eine Reihe solcher Aufnahmegeräte stellen wir hier kurz vor, jeweils mit einem Link auf die Produktseite von Amazon. Einen umfassenden Vergleichstest der digitalen Rekorder findet man auf der Seite www.audiotranskription.de.

Die einfachste Variante ist natürlich immer die, das zu nutzen, was man bereits hat: ein Handy. Wer über ein Smartphone verfügt, wie beispielsweise das iPhone 3G S von Apple, der kann z.B. bestimmte Software nutzen, um sein Handy in ein Diktiergerät zu verwandeln. Bei Apples iPhone kann das z.B. die App Dictamus. Die Bedienung ist äußerst komfortabel und der Preis nicht zu unterbieten. Allerdings ist die Qualität für den (semi-)professionellen Bereich eigentlich nicht gut genug. Es handelt sich bei der Dictamus-App fürs iPhone eher um ein Office-Tool, als um ein Recording-Tool.

Daher sind auch einige günstige portable Aufnahmegeräte in Betracht zu ziehen. Deren Preisspanne reicht für gute Qualität von knapp 50 Euro bis hin zu gut 500 Euro, wobei nach oben wie immer keine Grenzen gesetzt sind.

Im niedrigeren Preissegment der mobilen Aufnahmegeräte liegen z.B. das Samson Go Mic (49 EUR) oder das Tascam DR-07 (150 EUR).
Wer mehr ausgeben möchte, kann etwa zu einem Gerät wie dem Zoom H-4N (349 EUR) oder dem Sony PCM-M10 (333 EUR) greifen.

Wer sich sein Hobby etwas kosten lassen möchte, der kann zu einem Gerät der Spitzenklasse greifen, das dann aber auch gleich schon sehr viel teurer ausfällt, z.B. das Tascam DR-100 (419 EUR) oder der Marantz PMD670 (629 EUR).

Die Sound-Safari beginnt….

Hat man erst ein mobiles Aufnahmegerät, dann braucht man nur mal zwei oder drei Wochenenden hintereinander auf Sound-Safari zu gehen und im Nu hat man eine einzigartige, unique Soundlibrary zusammengestellt, die vermutlich 75% des eigenen Bedarfs an Sounds abdeckt. Versucht es einfach mal zu Beginn mit Schritten, die braucht man in jedem Hörspiel. Nehmt Schritte auf unterschiedlichem Untergrund auf: auf Kies, auf Teer, auf einer Wiese, auf Parkett, auf einem Steinfußboden, im Laub… alles, was halt gerade greifbar ist. Nehmt unterschiedliche Schuhe mit: denn Turnschuhe auf Parkett klingen anders als Schuhe mit Ledersohlen oder gar hochhackige Frauenschuhe. Macht dann weiter mit Geräuschen, die man jeden Tag ein paar Dutzend mal hört: Türen schlagen zum Beispiel oder das Tippen auf einer Tastatur.

Die Sound-Schnipsel solltet Ihr mit sprechenden Namen versehen. Also nennt die Datei nicht 20100402_rec007.wav… da findet Ihr Euch später nie zurecht mit. Nennt sie einfach gleich tuerenschlagen_001.wav oder computertippen_energisch_005.wav. Am besten legt Ihr im Anschluss eine Excelliste an und tragt dort die wichtigen Werte für den Sound ein:

Name: Heftiges Türenschlagen (Holztür)
Dateiname: tuerenschlagen_heftig_holztuer_001.wav
Kategorie: Wohnungsgeräusche
Beschreibung: Heftiges Zuschlagen einer massiven Holztür,
Länge: 5 Sek.
Qualität: Gut
Aufnahmedatum: 17. April 2010, 15:35 Uhr
Aufnahmeort: Berlin, Wohnung von Max Mustermann
Aufnehmende/r: Maria Musterfrau
Verwendet in: Hörspiel “Der Ehekrieg” bei 22’12

Wenn Ihr jetzt für ein Hörspiel eine schlagende Tür benötigt geht Ihr einfach in die Excel und sucht nach “Tür” oder “Türenschlagen”. Wenn Ihr in einem Hörspiel einen Sound braucht, von dem Ihr wisst, dass Ihr ihn mal “irgendwann in dem einen Krimihörspiel verarbeitet” habt, sucht Ihr nach dem Krimihörspiel und findet über die Spalte “verwendet in” den Sound. Die Urheber-Angaben können später mal nützlich werden. Etwa, wenn Ihr beschließt, die Hörspiele kommerziell zu vertreiben… Lange Rede, kurzer Sinn: Ordnung von der ersten Stunde an macht sich schnell bezahlt!

Denn es hält nichts mehr von der Arbeit an einem Hörspiel ab, wenn die nötigen Sounds fehlen und erst “produziert” werden müssen. Ihr wollt Euch schließlich gut vorbereiten und beim Abmischen nur noch einen Griff in die richtige Schublade tun müssen, um den Klang einer überfüllten Schnellstraße, eines ratternden Zuges oder eines tippenden Büros zu haben!

[Ende von Teil 1 des zweiteiligen Artikels: “Sound Library for free”. Dieser Artikel ist wiederum Teil einer größeren Serie von Artikeln, die in den kommenden Wochen zum Thema “Hörspiel selber machen” auf hoerspiele-kostenlos.de veröffentlicht werden wird]

*Bildnachweis: “Microphone” von visual.dichotomy (bestimmte Rechte vorbehalten)


Kommentare

2 Antworten zu “Sound Library for free (1/2): Mobile Aufnahmegeräte”

  1. Sound Library for free (2/2): Kostenlose Sound Library nutzen : hoerspiele-kostenlos.de
    Mai 12th, 2010 @ 18:53

    […] Sound Libraries, die man zur Hörspielproduktion nutzen kann, berichteten wir über Mobile Aufnahmegeräte, wie etwa das Samson Go Mic und ähnliche. Wir haben gezeigt, wie man mit wenig Geld und viel […]

  2. Christian
    Juni 5th, 2010 @ 12:58

    Hab mir den Zoom H4n heute gekauft. Der erste Eindruck überzeugt schonmal. Die Aufnahmequalität ist sehr gut, die Menüführung einfach. Dank 2 XLR-Anschlüssen und Phantomspeisung lassen sich zusätzlich zwei externe Mikros anschließen.
    Jedoch ist das Teil vergleichsweise klobig (zu groß für die Hosentasche).
    Bei den Tascam-Geräten muss man noch zusätzlich rund 30 Euro für das Netzteil hinzurechnen.

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